Gesunder Standort mit Potenzial

IHK stellt Standortanalyse Dormagen vor: Unternehmer vergeben die Durchschnittsnote 2,48

Eine Stadt, die in punkto Arbeitslosigkeit weit unter NRW-Landesquote liegt, dank hochwertiger Industriearbeitsplätze über deutlich mehr Kaufkraft verfügt als vergleichbare Kommunen, andererseits beim Thema Fachkräftesicherung aufholen und einen deutlichen Abfluss von Kaufkraft in umliegende Kommunen verkraften muss: Das ist der Wirtschaftsstandort Dormagen, wie er sich in der am 19. November 2019 von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein vorgelegten Standortanalyse Dormagen darstellt.

Dormagen ist ein Industriestandort. Das verdeutlichen die Daten aus der amtlichen Statistik. 28 Prozent der Beschäftigten arbeiten im verarbeitenden Gewerbe. In NRW (20 Prozent) und im Rhein-Kreis Neuss (19 Prozent) liegt der entsprechende Wert deutlich darunter. Jeder vierte abhängig Beschäftigte in Dormagen geht einer Tätigkeit in einem Chemieunternehmen nach – ein Wert 16 mal so hoch wie im NRW-Landesvergleich. Auch die distributiven Dienste (Handel, Verkehr und Gastgewerbe) sind in Dormagen mit 26 Prozent im Vergleich zum Land (23 Prozent) überdurchschnittlich stark vertreten. „Die Dienstleistungsbranchen, die nicht den distributiven Diensten zuzurechnen sind, liegen mit einem Beschäftigtenanteil von 33 Prozent in Dormagen dagegen deutlich unter dem NRW-Schnitt von 50 Prozent“, erklärte Gregor Werkle, Leiter des IHK-Bereichs Wirtschaftspolitik. Herzstück der IHK-Standortanalyse ist eine breit angelegte Befragung unter knapp 120 örtlichen Unternehmen, die 56 Faktoren bewerteten. „Die Dormagener Unternehmen geben dem Standort auf einer Schulnotenskala die Durchschnittsnote 2,48“, resümierte IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz. Damit erhält die Stadt eine ähnliche Bewertung wie die in den vergangenen Jahren analysierten Standorte im Durchschnitt (2,49) und rangiert auf nahezu dem gleichen Niveau wie bei der letzten Befragung in Dormagen im Jahr 2012.

Als wesentliche Stärken benennen die befragten Unternehmer Dormagens gute Verkehrsanbindung, die Nähe zu den Flughäfen Düsseldorf und Köln und auch – keineswegs selbstverständlich - den Zustand des innerstädtischen Straßennetzes. „Die unmittelbare Lage an der Autobahnen 57 ist ein echter Standortvorteil“, berichtete Steinmetz. „Diese Stärke muss man ausbauen. Deswegen setzen wir uns dafür ein, dass die Anschlussstelle Delrath realisiert wird. Für 58 Prozent der Unternehmen wäre dies eine wichtige oder sehr wichtige Maßnahme.“ Weiteres Ergebnis der Befragung: Das Kostenbewusstsein der Verwaltung, behördliche Reaktionszeiten und die reibungslose Kooperation öffentlicher Ämter werden in Dormagen deutlich besser beurteilt als in anderen Kommunen, die die IHK untersucht hat. Ein Votum, dass insbesondere Bürgermeister Erik Lierenfeld freute. „Damit Rahmenbedingungen geschaffen werden können, die attraktiv und wettbewerbsfähig sind, muss Verwaltung ermöglichen und nicht verhindern – ich denke unser Abschneiden bei der IHK-Standortanalyse zeigt, dass wir das in Dormagen verstanden haben“, so der Verwaltungschef.

Bei aller Zufriedenheit zeigt die Standortanalyse aber auch Handlungsbedarf auf. Zum einen wird die Informations- und Kommunikationsinfrastruktur, wichtigster Standortfaktor für die Dormagener Unternehmen, trotz intensiver Bemühungen der öffentlichen Hand nur mit der Schulnote 3,49 bewertet. „Das geht besser“, sagte Steinmetz. „In diesem Bereich sind weitere Anstrengungen erforderlich.“ Zum anderen ist die Unzufriedenheit mit dem Gewerbesteuerhebesatz deutlich größer als bei der vorherigen Standortanalyse aus dem Jahr 2012. „Wir haben in NRW die höchsten Gewerbesteuerhebesätze aller Flächenländer. Das ist ein Standortnachteil“, so Steinmetz. Dormagen liege zwar im NRW-Vergleich auf einem wettbewerbsfähigen Niveau, aber vergleichbare Standorte außerhalb NRWs – auch innerhalb von Metropolregionen – hätten im Durchschnitt niedrigere Gewerbesteuerhebesätze.

Der Dormagener Bürgermeister Erik Lierenfeld hielt dagegen und verwies auf den lebenswerten und familienfreundlichen Charakter der Stadt Dormagen, der in der wirtschaftslastigen Analyse nicht berücksichtigt wird: „Um Dormagen so zu erhalten, sind wir zwingend auf gleichbleibende Gewerbesteuereinnahmen angewiesen. Massive Senkungen der Gewerbesteuerhebesätze in einigen wenigen Städten führen zu einem Wettbewerb, bei dem am Ende alle verlieren, weil in der Fläche kein Geld mehr für Infrastruktur da ist. Je mehr das in den Nachbarstädten diskutiert wird, desto mehr gerät es natürlich auch hier in den Fokus.“

Die IHK-Standortanalyse 2019 zum Download

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