Mahlwerke „Made in Dormagen“: Görgens-Mühlen sind wahre Alleskönner und weltweit im Einsatz  

Seinem Aufenthalt in den USA Anfang der Sechzigerjahre verdankte Hermann-Josef Görgens seine bis heute erfolgreiche Geschäftsidee. Beim bekannten Ketchup-Produzenten Heinz machte der Firmengründer der Mahltechnik Görgens GmbH erstmals Bekanntschaft mit einem Mahlverfahren, bei dem sich Produkte im Luftwirbel durch wiederholten Zusammenstoß zerkleinern, fast ohne äußeren mechanischen Einfluss. Zum Einsatz kommen Turborotoren, die wie ein Flugzeugtriebwerk Luftverwirbelungen (Turbulenzen) erzeugen. Der Vorteil: Weil nur eine geringe mechanische Beanspruchung entsteht, gibt es kaum Verschleiß am

„Unsere Mahlwerke sind ein Nischenprodukt“, sagt Ermano Görgens, der heute die vom Vater gegründete kleine und feine Firma führt. Zwölf Mitarbeiter tüfteln im unspektakulären Flachdachbau an der Norfer Straße an neuen Techniken. Görgens-Mahlwerke finden sich vorwiegend in der Nahrungsmittel-Industrie, wo sie zum Beispiel Getreide, Zucker und Gewürze zerkleinern. Sie mahlen aber auch Aluminium, Kautschuk, Seifen, Wachse oder Gummi und Gemische wie Elektronikschrott. Seine Firmenphilosophie fasst der Chef in einem prägnanten Satz zusammen: „Wir lernen zusammen mit dem Kunden und wollen ihm einen Nutzen verschaffen.“ Aktuell wartet ein russischer Auftraggeber auf eine Maschine, mit der sich PVC-Bodenbeläge wiederverwerten lassen. Das temperaturempfindliche Material bedarf besonderer Behandlung, „da werden wir mit flüssigem Stickstoff kühlen“, erklärt Görgens. Der größte PVC-Rohr-Produzent auf dem südamerikanischen Kontinent bedient sich bereits einer Görgens-Technik „made in Dormagen“.

Die bringt nämlich einen weiteren Vorteil mit sich: Der Luftstrom kann wahlweise gekühlt oder erhitzt werden. Das Verfahren eignet sich für feuchte Substanzen und Pasten daher ebenso wie für hitzeempfindliches Material, beispielsweise Kunststoff.  „Unsere Maschinen stehen zur Trockenzerfaserung von Zellstoff auch bei Papierherstellern“, nennt Ermano Görgens ein weiteres Anwendungsbeispiel. Kürzlich wurde noch eine Methode zur Proteinpasten-Trocknung entwickelt – am Ende des Mahlprozesses bleiben Pulver für die Weiterverarbeitung in der Nahrungsmittelindustrie und solche, die Muskeln wachsen und Pfunde schmelzen lassen, wenn man sie zu Shakes verrührt. Die Wartung der Maschinen übernimmt übrigens der Kunde selbst. Auf Wunsch werden die Anlagen, für die auch US-amerikanische und japanische Maschinenbauer Komponenten zuliefern, von Görgens fernüberwacht. Alle Informationen tickern dann in die Dormagener Firmenzentrale. „Die Stadt ist perfekt für uns mit ihrer Lage zwischen zwei Rheinmetropolen und den nahen Flughäfen“, sagt Ermano Görgens. Ein wenig ist dem Unternehmer der Lokalpatriotismus wohl in die Wiege gelegt: Sein Vater, Seniorchef Hermann-Josef Görgens, wurde innerhalb der Zonser Stadtmauern geboren.

Know-how „Made in Dormagen": TEC Industrie Service ist in der Welt zu Hause

Heute Köln, morgen Südafrika oder wie zuletzt Peru: Die weltweite Verlagerung von Maschinen und Anlagen ist das tägliche Geschäft der TEC GmbH. Das Unternehmen, seit 2014 mit Sitz an der Hamburger Straße, wurde 2000 gegründet – damals ein Ingenieurbüro mit sechs Mitarbeitern. Heute hat sich der Headcount allein in der deutschen Firmenzentrale mehr als versechsfacht. TEC unterhält zudem Niederlassungen in der Türkei, in Südafrika und in Ägypten.

Die großen Namen der Konsumgüterindustrie, Genussmittel- und Automobilbranche bedienen sich der TEC-Expertise. Sie lassen neue Produktionsstraßen von den Dormagener Verlagerungsspezialisten installieren, bestehende Anlagen demontieren, über Kontinente hinweg umziehen und am neuen Standort wieder aufbauen. Wird der Maschinenpark für ein neues Produkt modifiziert, kommt ebenso TEC ins Spiel. „Für weltweit agierende Firmen, die ähnliche Anlagen rund um den Globus betreiben, ist es von Vorteil, immer auf denselben Dienstleister zurückzugreifen", erläutert Stefan Schlenzig, der gemeinsam mit Dennis Mausberg die Geschäfte führt. Für das Geschäftsmodell der Industriemontage braucht es neben Ingenieuren und Bauleitern auch Experten für den grenzüberschreitenden Transport von Gütern. Das macht Thomas Dittmann deutlich: „Logistik macht neben der ingenieurtechnischen Leistung eine Menge Arbeit, denn Transport und Verzollung über Ländergrenzen und Kontinente hinweg erfordern Know-how und ein internationales Netzwerk", sagt Dittmann.

Jüngst brachte die TEC GmbH eine Lieferung nach Peru auf den Weg. Fragiler Inhalt des Frachtstücks: Ausgemusterte Mikroskope der Städtischen Realschule, die in einem Kinderdorf in den Anden zu neuen Ehren kommen sollten. Ex-CHEMPARK-Leiter Dr. Walter Leidinger und Norbert Grimbach, pensionierter Biologielehrer, hatten das Hilfsprojekt gemeinsam auf die Beine gestellt. Die Stadtmarketing- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft Dormagen (SWD) brachte beide Ehrenamtler mit TEC-Geschäftsführer Stefan Schlenzig zusammen. Der war Feuer und Flamme für dieses „soziale Engagement, bei dem man auch ein Ergebnis sieht". TEC übernahm die luftfrachtgerechte Verpackung der technischen Gerätschaften, den Versand und die Zollabwicklung durch einen Agenten in Lima, der auch den sicheren Transport ins peruanische Hochland organisierte. Insgesamt Leistungen im Wert von über 3.000 Euro, die gut angelegt sind, wie Schlenzig betont: „Es passte genau, wir konnten hier helfen, indem wir unser technisches Know-how einsetzen und mit der Initiative auch noch das Thema Ausbildung unterstützen."

Über 18 Jahre Firmengeschichte hat sich technisch so manches verändert. Wo früher Hallen im Vorfeld einer Montage noch mit dem Zollstock vermessen wurden, erfassen 3D-Laserscanner mittlerweile ein Gebäude mit jeder noch so kleinen Abweichung vom Bauplan. Heute gehört auch der Bereich „Technology" zum Firmenportfolio. Teil davon ist die Entwicklung von Drohnen nach Kundenwunsch, die auf den Einsatz im Bau- und Konstruktionsbereich zugeschnitten sind.

Sonnenstrom "Made in Dormagen": sun dorado versorgt 800 Haushalte

Die Sonne ist rund 150 Millionen Kilometer von Dormagen entfernt. Trotzdem lässt sich ihre unglaubliche Kraft vor Ort zur Stromerzeugung nutzen. Knapp 700 Photovoltaikanlagen stehen derzeit in Dormagen. „Trotzdem wurde im Jahr 2016 nur 15 Prozent des Stroms der in Dormagen verbraucht wird, auch hier hergestellt“, erklärt evd-Geschäftsführer Klemens Diekmann. Dass sich diese Quote heute mit 28 Prozent nahezu verdoppelt hat, ist „sun dorado“ zu verdanken: Diesen Namen trägt der sechs Hektar große Solarpark, den die evd Ende 2016 in nur einem Monat Bauzeit in Gohr auf der stillgelegten Deponie errichtet hat. Über 17.000 Quadratmeter Modulfläche wird Sonnenenergie aufgenommen und in Strom umgewandelt. Die Leistung des „Sun dorado“ von 2,8 Megawattpeak reicht aus, um rund 800 Haushalte ganzjährig mit Energie zu versorgen.  „Der im Solarpark erzeugte Strom bleibt zu 100 Prozent hier in Dormagen, das bedeutet eine beträchtliche Wertschöpfung für unsere Stadt“, betont Diekmann.

Dem Bau ging eine sorgfältige Planung voraus. So ließ die evd aufwändige Umweltprüfungen mit einem Artenschutz-Gutachten vornehmen und neben dem Statik-Gutachten auch einen landschaftspflegerischen Begleitplan erstellen. Zusätzliche Stromtrassen wurden nicht benötigt. Wichtig in punkto Verkehrssicherheit und guter Nachbarschaft: Anwohner und Autofahrer auf der B477 werden nicht durch Reflektionen der Solarmodule beeinträchtigt. Das hat ein Blend-Gutachten bestätigt. „Der Solarpark ist ein weiterer großer Schritt in Richtung umweltfreundliche Energieerzeugung vor Ort“, so Diekmann. Gegenüber der herkömmlichen Stromerzeugung wird die Umwelt dadurch um jährlich fast 2.000 Tonnen CO2 entlastet.

Auch Dormagens Bürgermeister Erik Lierenfeld stand von Anfang an hinter dem Projekt auf der Broicher Höhe: „Mit dem Solarpark steigern wir die Erzeugung von Sonnenstrom in Dormagen auf einen Schlag um fast ein Drittel. Das entspricht den Zielsetzungen des städtischen Klimaschutzbeirats.“ Seit 1996 fördert die Stadt Dormagen als Partner im europäischen Klimaschutzbündnis alternative Energieerzeugung.

Uhrendesign "Made in Dormagen": Junger Gründer steht hinter "Justus Brown"

Tobias Niebuhr mag es puristisch – zumindest, wenn es um Uhren geht. Der 28-Jährige Zonser ist Gründer, Designer, Freigeist und einer, der Lust auf Risiko hat. Vor zwei Jahren machte sich Niebuhr mit seinem eigenen Uhrenlabel „Justus Brown" selbständig. Im Sommer 2017 ging sein Online-Shop an den Start. Dafür setzte der Leibniz-Abiturient und studierte Event-Manager alles auf eine Karte. Gab eine gute berufliche Position als Store Manager bei einer Textil-Kette auf, zog zurück ins Elternhaus und begann, erste Entwürfe zu zeichnen. „Ich hatte schon immer Spaß an der Visualisierung von Dingen", sagt Niebuhr. Er entwirft klassisch reduzierte Uhren, die die Zeit anzeigen können – sonst nichts. Seine Zielgruppe: „Junge Menschen zwischen 20 und 34, die abends rausgehen, abschalten und nicht überwacht werden wollen, was ihr Puls gerade sagt." Der Style von Justus Brown also ist „made in Dormagen", das Produkt dagegen „global zusammengesetzt", wie Niebuhr selbst sagt. Gefertigt werden die Uhren über einen Schweizer Hersteller in China, ein indischer Designer setzt zuvor die Entwürfe professionell um.

Analog ist bei diesem Geschäftsmodell letztlich nur das Produkt. Auch seine Geschäftspartner – Agenturen, die Marketing und Werbung für „Justus Brown" in den sozialen Medien übernehmen – findet Tobias Niebuhr im Internet. Der Absatzweg – bis heute ausschließlich digital. Einen stationären Verkauf gibt es nicht. „Wenn ein Online-Shop nicht läuft, übersetze ich ihn in beispielsweise Russisch und spreche neue Kunden an. Das funktioniert mit einem Laden in der Fußgängerzone nicht", stellt Niebuhr nüchtern fest.

Aktuell sucht er Sponsoren für eine neue Kollektion, natürlich im Netz. Auf Crowdfunding-Plattformen - zu Deutsch Schwarm-Finanzierung - wie „kickstarter" bieten Gründer und Start-Ups weltweit ihre Geschäftsideen feil. Finden sich genügend finanzielle Unterstützer, wird das Geschäftsmodell realisiert.

Ort und Zeit spielen in der globalisierten Welt keine Rolle mehr. Tobias Niebuhr könnte sein Geschäft von jedem Winkel der Welt aus führen. Über das Internet ist er 24/7 mit Kunden und Geschäftspartnern rund um den Erdball verbunden. Aber Dormagen, sagt der Jungunternehmer, „bleibt meine Herkunft". Die Stille, die während des Tages über dem Zonser Märchenviertel liegt, erlaubt es ihm, konzentriert an seinen Entwürfen zu feilen. „Justus Brown" soll wachsen, sagt Niebuhr: „Ich könnte mir auch vorstellen, einen Partner mit reinzunehmen, um gemeinsam etwas zu entwickeln." Bis zum 30. Geburtstag gibt sich Gründer Tobias Niebuhr Zeit. Die Uhr tickt.

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